Biologische Vielfalt in Bayern

Die biologische Vielfalt ist von unermesslichem Wert – für jeden von uns. 1992 wurde deshalb auf der UN-Umweltkonferenz in Rio das Übereinkommen über die biologische Vielfalt von 189 Staaten und der Europäischen Gemeinschaft beschlossen. 1993 hat Deutschland das Übereinkommen ratifiziert und im November 2007 wurde schließlich die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ vom Bundeskabinett verabschiedet.

Darauf aufbauend hat der Bayerische Ministerrat schon im April 2008 eine eigene Bayerische Biodiversitätsstrategie verabschiedet und im Juli 2014 ressortübergreifend das Programm „Natur Vielfalt Bayern – Biodiversitätsprogramm Bayern 2030“ beschlossen. Der Beschluss erfolgte in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Verbänden und Institutionen, vor allem mit den Landnutzern und Grundeigentümern.

Die bayerische Biodiversitätsstrategie beinhaltet vier zentrale Ziele:

Ziel 1: Schutz der Arten- und Sortenvielfalt

Der Verlust von biologischer Vielfalt macht auch vor Bayern nicht halt. In den aktuellen bayerischen Roten Listen sind 6.480 (40 Prozent) der bewerteten heimischen Tierarten als ausgestorben, verschollen oder bedroht erfasst. Über die Hälfte der Gefäßpflanzen ist inzwischen Bestandteil der Roten Liste. Ausgestor-ben sind z.B. Flachs-Lichtnelke, Alpenhummel, Lachs, Maifisch, Blauracke und Bayerische Kleinwühlmaus. Zudem zeigen Vogelbestände, die früher in Bayern weit verbreitet waren, wie Kiebitz, Feldlerche, Rauch- und Mehlschwalbe bedenkliche Rückgänge. Bis 2020 soll sich daher die Gefährdungssituation für mehr als 50 Prozent der Rote Liste-Arten um wenigstens eine Stufe verbessert haben und gefährdete Arten, für die Bayern eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt wie Bodensee-Vergissmeinnicht, Flussperlmuschel oder Wanderfalke überlebensfähige Bestände erreichen. Auch die genetische Vielfalt von Nutztierrassen und Nutzpflanzensorten hat abgenommen: mittlerweile gelten 55 Prozent der weltweit 5.639 erfassten Nutztierrassen als vom Aussterben bedroht. Mit dem Verlust der Vielfalt an Kulturpflanzen und Nutztierrassen verarmen die historisch gewachsenen Kulturlandschaften, und es geht ein für die Züchtung wichtiges genetisches Potenzial verloren.

Ziel 2: Erhalt von Lebensräumen

Wesentliche Ursache für den Rückgang heimischer Tier- und Pflanzenarten ist die Verarmung und der Verlust der Lebensräume. Die drastische Abnahme ist nicht nur Resultat von Flächenschrumpfungen, sondern auch von Flächenzersplitterungen. Bis 2020 soll das Biotopnetz deshalb so vervollständigt sein, dass die biologische Vielfalt umfassend und dauerhaft erhalten werden kann. Moore werden renaturiert, Fließgewässer dynamisiert. Zudem soll die zusätzliche Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr deutlich verringert und vorhandene Flächen recycelt werden.

Ziel 3: Verbesserung der ökologischen Durchlässigkeit

Die derzeitigen von öffentlichen Straßen unzerschnittenen, verkehrsarmen Räume, die größer als 100 Quadratkilometer sind, stellen einen hohen ökologischen Wert dar, der erhalten werden soll. Zudem müssen Straßen und Schienen bzw. Querbauten und Wehre im Fluss noch stärker als bisher ökologisch durchlässig gemacht werden.

Ziel 4: Vermittlung und Vertiefung von Umweltwissen

Die Erhaltung und Nutzung der biologischen Vielfalt erfordert eine gesellschaftliche Unterstützung. Schulen und außerschulische Umweltbildung sollen deshalb noch stärker auf die Bedeutung der biologischen Vielfalt aufmerksam machen. Dazu dienen zum Beispiel Natur- und Wildniserlebnisgebiete, Lehrpfade und Hinweise zur biologischen Vielfalt an geeigneten Stellen in der Natur. Verstärkt werden soll die Forschung über Arten in ihren Lebensräumen und über die natürlichen Ressourcen für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft; Samen- und Gen-Datenbanken werden weiter ausgebaut.

Bayerische Biodiversitätsstrategie April 2009 (PDF)

FAQ zur Biodiversität

Broschüre: Biodiversitätsprogramm Bayern 2030

Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie

Entsprechend den genannten Zielsetzungen wurden zur Umsetzung der "Bayerischen Biodiversitätsstrategie" am Bayerischen Umweltministerium drei Arbeitsgruppen eingerichtet:

In diesen Arbeitsgruppen erörtern Vertreter der Ministerien sowie von betroffenen Verbänden und Institutionen Vorschläge und Möglichkeiten der Umsetzung. Die Arbeitsgruppen haben sich inzwischen mehrmals getroffen. In den Sitzungen wurde eine Fülle von Vorschlägen diskutiert, die nun in einem Arbeitsprogramm zusammengefasst werden.

Aktionsprogramm bayerische Artenvielfalt - Ein neuer Impuls für den Artenschutz

Bayern ist sich seiner Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst. Deshalb hat die Staatsregierung im Doppelhaushalt 2013/2014 vorbehaltlich der Zustimmung des Bayerischen Landtags ein Plus von jährlich 3 Mio. Euro für den Naturschutz eingeplant. Davon werden jährlich etwa 1 Mio. Euro für das "Aktionsprogramm bayerische Artenvielfalt" verwendet, das im Rahmen der Bayern Arche neue Impulse setzen und die öffentliche Wahrnehmung verbessern wird.

Das neue Aktionsprogramm ist auf den Handlungsschwerpunkt "Schutz der Arten- und Sortenvielfalt" der Bayerischen Biodiversitätsstrategie gerichtet und dient in erster Linie der Fortsetzung, Intensivierung und Neuentwicklung von Artenhilfsprogrammen im Hinblick auf die 2020-Ziele der Strategie. Dies schließt die Erhebung und Auswertung von Grundlagendaten und die Entwicklung von Schutzkonzepten mit ein. Hinzu kommen Maßnahmen zur Information der Öffentlichkeit und Bildung.

Bausteine des Aktionsprogramms

Das Aktionsprogramm bayerische Artenvielfalt startet mit folgenden Bausteinen:

Mit dem Aktionsprogramm bayerische Artenvielfalt greift das Bayerische Umweltministerium einen Vorschlag des Biodiversitätsrates auf, der als wissenschaftliches Beratungsgremium unterstützt.
Aktionsprogramm Bayerische Artenvielfalt der ANL